Dozent

Als Dozent habe ich bei zwei Projekten der Jugend- und Berufshilfe Verantwortung übernommen. Zum einen ging es um eine Schreibwerkstatt im Technologiezentrum Glehn, zum anderen um eine weitere Schreibwerkstatt bei der Arbeiterwohlfahrt in Grevenbroich.

Technologiezentrum Glehn

Im Rahmen meiner Dozententätigkeit ging es 2011 im Technologiezentrum Glehn um das Schreiben von Texten am Beispiel von Themen aus der Geschichte des Rhein-Kreises Neuss. Dabei galt es, vier Blöcke zu durchlaufen:

Stilkunde Deutsch
Recherchieren
Schreiben und texten
Redigieren von Texten


Daraus ergibt sich für diesen Kursus im einzelnen folgendes Anforderungsprofil, das auch verwirklicht wurde:

Stilkunde Deutsch

Das erste Haupthema ist das Auffrischen von Grammatikregeln, insbesondere Rechtschreibung und Kommasetzung. Daneben gibt es eine Stilkunde in Deutsch. Dabei erfahren die Teilnehmer unter anderem, dass es einige verbotene Wörter gibt, die vor allem in der Behördensprache, aber auch bei manchen Wendungen in der Alltagssprache ihr Dasein fristen. Sie werden außerdem bemerken, dass sie mit Adjektiven (Beiwörtern) sehr sparsam umgehen müssen.

Recherche

Das zweite Hauptthema ist Recherchieren. Dabei geht es zunächst einmal darum, was Recherche überhaupt ist, also um die Frage, wie man an Informationen kommt, die Überprüfungen standhalten. Die Teilnehmer lernen dabei, dass man mit Informationen sorgfältig umgehen und jede Information kritisch beleuchten muss. Dabei erfahren sie, dass jeder, von dem sie eine Information erhalten, Interessen hat. Um diese Interessen geht es. Alle Hinweise sind zu überprüfen. Die Teilnehmer lernen, wie man das macht.

Sie lernen außerdem, wie man die richtigen Fragen stellt. Es gilt, die richtigen Fragen zu stellen, um treffende Texte machen zu können, die dem Leser oder Hörer die Information bringt, die er braucht. Daher wird man nicht einfach zum Telefon greifen, sondern vorher genau überlegen, welche Informationen man vom Gesprächspartner braucht.

Dabei ist es wichtig, dass Höflichkeit und gute Manieren ebenso zum Handwerkszeug gehören wie passende Kleidung bei Außenterminen. Außerdem ist es unbedingt notwendig, die Ruhe zu bewahren, nicht aufzubrausen, wenn etwas nicht nach dem Willen des Fragestellers geht. Wichtig ist es auch, den anderen immer ausreden zu lassen. Wir wollen ja etwas von ihm oder ihr, nicht umgekehrt: Das gilt es stets zu bedenken. Dies alles trainieren die Teilnehmer im Team. Dabei wird es auch wichtig sein, dass die Gesprächspartner sich bekannt machen, also auch Vor- und Nachnamen sowie Funktion zu benennen. Die Teilnehmer lernen, wie man am Telefon und in der direkten Begegnung die richtigen Fragen stellt.

Ein weiteres Thema ist die Internetrecherche. Wir findet man Informationen im Internet und wie sind diese Informationen zu bewerten. Außerdem erfahren die Teilnehmer, wie Quellenangaben gemacht werden, insbesondere bei Internetinformationen. Sie sehen, dass es auch hier mit der richtigen Fragestellung genauere Informationen gibt, als wenn in Google nur Stichwörter eingegeben werden.

Da viele Informationen über die Geschichte einer Sehenswürdigkeit im Rhein-Kreis Neuss nicht umfangreich im Internet stehen, erfahren die Teilnehmer, wie man Informationen in Büchern findet. Denn die Heimatliteratur im Rhein-Kreis Neuss ist recht umfangreich, ein Besuch in einer Bibliothek kann daher nicht schaden. Im übrigen bleibt es eine ständige Aufgabe, Menschen das Lesen nahe zu bringen, egal welchen sozialen Hintergrund sie haben. Wenn gute und treffende Texte erzeugt werden sollen, dann geht das nur mit lesen, lesen, lesen. Ansonsten ist eine Text- und Sprachsicherheit nicht zu erzielen.

Zuletzt erleben die Teilnehmer, wie man eine Recherche abschließt. Gibt es genug Informationen oder muss man noch an der einen oder anderen Stelle nachfragen?

Zum anderen wird im Rahmen des Projektes über den Rhein-Kreis Neuss und seine Kommunen informiert. Die Teilnehmer wissen dann, welche Ämter des Rhein-Kreises zuständig sind und wie sie mit ihnen Kontakt aufnehmen.

Zur Recherche gehört es auch, sich die Dinge vor Ort anzuschauen. Daher werden Stadtführungen ebenso zum Kursinhalt gehörten wie Museumsbesuche oder ähnliche Exkursionen.

Texte schreiben

Im nächsten Schritt geht es nun darum, die gesammelten Informationen auszuwerten und daraus einen Text zu machen. Dabei muss beachtet werden, dass der Text anschaulich ist, also, dass die Bilder im Kopf laufen lernen. Die Teilnehmer erfahren, was eine Nachricht ist und was die sieben Ws bedeuten, also Wer? Was? Wo? Wann? Wie? Warum? Woher? Diese Fragen gilt es im Hinterkopf zu haben, wenn sie eine korrekte Nachricht schreiben wollen. Denn die Nachricht ist die Grundlage unserer Textarbeit. Sie gehört nach dem Projekt zum Handwerkszeug jedes Teilnehmers. Sie alle werden in der Lage sein, nach dem Kursus eine korrekte Nachricht zu schreiben, also eine Information schriftlich korrekt wiederzugeben.

Beim Thema Schreiben werden die Teilnehmer einen Text erreichen, der auf aktive Verben (Tuwörter) setzt, nur anschauliche Substantive (Dingwörter) bringt und es dem Nutzer ermöglicht, mit geschlossenen Augen alles vor sich zu sehen, weil die Bilder im Kopf beim Zuhören laufen lernen.

Redigieren von Texten

Sie werden erfahren, dass man mit der ersten Fassung eines Textes nicht zufrieden sein darf. Daher werden die Texte Wort für Wort, Satz für Satz noch einmal durchgegangen, bis alles verständlich ist.

Berufshilfe der AWO

Im Rahmen meiner Dozententätigkeit war ich von Juli 2012 bis Ende August 2013 für die Berufshilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Grevenbroich tätig. Dort wurde im Zusammenhang mit dem Projekt „Motivation durch Perspektive“ eine Schreibwerkstatt eingerichtet. Das Projekt "Motivation durch Perspektive" ist ein Angebot für benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene in Grevenbroich. Es wird vom Verein Berufshilfe der AWO in Kooperation mit der Stadt Grevenbroich vorgenommen. Den Teilnehmern des Projektes wird nach dem Abschluss eine Berufsperspektive eröffnet oder sie bekommen einen konkreten, unter Umständen auch langfristigen Plan.

Hauptthema der Schreibwerkstatt ist es, die Teilnehmer an das Thema Schreiben heranzuführen. Dabei geht es im aktuellen Kursus um Jugendliche, die von ihrer schulischen Bildung her völlig unterschiedlich sind. Einige haben Erfahrung mit dem Schreiben, andere haben nur geringe Kenntnisse, einige lesen, andere nicht.

Angepasst an den Teilnehmerkreis der Schreibwerkstatt gibt es für die Schreibwerkstatt folgende Ziele:

Heranführen an eine Textarbeit
Förderung der Lesekompetenz
Festigung der eigenen Persönlichkeit
Sachliches Vertreten von strittigen Themen in einer Diskussion
Soziale Kompetenz und Umgangsformen

Im Rahmen der Schreibwerkstatt geht es auch um Rechtschreibung und Allgemeinbildung sowie um Heimatkunde (Unsere Stadt, unser Kreis, unser Land...). Außerdem wird in der Werkstatt Medienkompetenz vermittelt, insbesondere im Umgang mit Sozialen Netzwerken.